Frankfurter Rundschau - Tausend setzen ein Zeichen

Wir brauchen noch dunkelblau", rief Moderator Kwamena Odurn ins Mikrofon. Eine vorbeikommende Familie mit zwei kleinen Kindern zögerte nicht lange und eilte zur T-Shirt-Ausgabe. Flugs wurde „Dunkelblau" über die Kleidung gestreift. Im Laufschritt mit Kinderwagen ging es dann zum Schriftzug „RESPEKT!", den am Samstagnachmittag rund 1000 Menschen auf der Wiese in Nieder-Florstadt bildeten. Schon zuvor hatten Odums Durchsagen Staubsaugerwirkung. Das Festareal lag während der Aktion verwaist dar.

Der Schriftzug war der Höhepunkt der Veranstaltung „Vereint Zeichen setzen" gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Organisiert wurde sie von sieben Vereinen unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Herbert Unger (SPD) und dem Wetteraukreis. Florstadt zählt neben Echzell, Reichelsheim und Wölfersheim zu den Kommunen, die sich dem lokalen Aktionsplan „Bunter leben angeschlossen haben. Das mehrjährige Projekt wird unter anderem vom Bundesfamilienministerium gefördert.

Manfred Linss, Vorsitzender des Vereins Grätsche gegen Rechtsaußen und Sprecher des Organisationskomitees, äußerte sich bereits am frühen Nachmittag zuversichtlich, dass der „menschliche Schriftzug" ein voller Erfolg wird und damit ein klares Signal gegen rechte Umtriebe gesetzt wird. Zu diesem Zeitpunkt tummelten sich schon mehrere Hundert Besucher auf dem Messegelände, über dem die Stimmung eines Familienfests lag. „Die Bürger wollen gemeinsam das Zeichen setzen: kein Rassismus", kommentierte Linss. 

Hohes Engagement vorab

Das hat sich den Organisatoren auch bei der Vorbereitung gezeigt. Rathauschef Unger habe sofort die Unterstützung der Stadt zugesagt. Ordnungsamt und der Bauhof engagierten sich vor und während der Veranstaltung. Ein Privatmann stellte die Wiese für den Schriftzug zur Verfügung. Eine Reihe von Organisationen und die Polizei waren vertreten. Letztere warb zudem um Berufseinsteiger mit Herkunft aus einem anderen Land. „Viele Migranten wissen nicht: auch ohne deutschen Pass kann man Beamter werden", so Polizeihauptkommissar Erich Müller.

Auch ein Apotheker aus dem Ort war präsent. Dort gab es rezeptfrei ein „Antiidiotikum" — zum Weitergeben an Menschen, die an Rechtsextremismus leiden. Zu Beginn der Veranstaltung hätte sich hierzu fast die Gelegenheit ergeben. Laut Polizeisprecher Jörg Reinemer sollen zwei Personen „vom Gelände weggeschickt" worden sein. Mitglieder der antifaschistischen Organisation Antifa hatten sie als Rechtsexterne erkannt. Nach Angaben von Litiss sollen sie den „Old Brother" angehören. „Wir haben von unseren Hausrecht Gebrauch gemacht", so Linss. Das Areal war aus dem Grund mit gelbem Flatterband umzogen. Zudem gab es im Programm den Hinweis, dass Rechtsextreme keinen Zutritt haben.

Weder im Festablauf gab es Störungen durch Rechte noch bei der Aufstellung zum Schriftzug, die eine Stunde dauerte. Warum gerade das Wort „RESPEKT!" gebildet wurde, erklärte Linss mit der gleichnamigen Frankfurter Initiative und mit der weitreichenden Wortbedeutung. „Respekt ist eine Grundlage, dass das gemeinschaftliche Zusamrnenleben funktioniert. Respekt steht aber auch dafür, Neuem nicht mit Angst, sondern mit Offenheit zu begegnen", sagte Linss. Die Menschen, die an dem Schriftzug teilnahmen, demonstrierten dies.

© Frankfurter Rundschau 17.06.2013

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