Wetterauer Zeitung - Über 1000 Menschen setzen ein Zeichen für »Respekt!«

Jubel und Beifall brandeten auf, als alle Bilder im Kasten waren: Mit dem Schriftzug »Respekt!«, dargestellt von über 1000 Menschen, hat die Wetterau am Samstagnachmittag ein deutliches Zeichen gesetzt.

Ein Zeichen dafür, dass hier kein Platz ist für Neonazis und Rechtsextreme und dass die Region sich wehrt gegen Fremdenhass und die Verunglimpfung anders denkender oder aussehender Mitbürger. Sieben Vereine hatten die Großveranstaltung »Vereint Zeichen Setzen« auf die Beine gestellt.

An zahlreichen Infoständen wurde Aufklärung betrieben. Parteien, ausländische Vereinigungen und Bürgerinitiativen zogen an einem Strang, um Flagge gegen Rassismus und Intoleranz zu zeigen. Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel-Pflügel sprach von einer beispielhaften Aktionsgemeinschaft. Es sei »schlimm genug, dass wir heute hier stehen müssen, weil es in der Wetterau rechtsextreme Umtriebe« gebe, sagte Bürgermeister Herbert Unger, der mit Betschel-Pflügel die Schirmherrschaft übernommen hatte. »Aber es ist beruhigend zu sehen, wer sich alles im Kampf gegen Rechts unterhakt.«

Ein großes Lob richtete Manfred Linss, der Sprecher der veranstaltenden Vereine, an Unger. Er habe keine Überzeugungsarbeit leisten müssen, der Bürgermeister sei sofort Feuer und Flamme gewesen. Auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und des Bauhofs seien unglaublich engagiert gewesen. Zu Dank war der Vorsitzende des Echzeller Vereins »Grätsche gegen Rechtsaußen« auch den Partnervereinen verpflichtet, die mit der »Grätsche« die Organisation übernommen hatten: der TC Florstadt, der SV Echzell, die SG Stammheim, der Sportkreis Wetterau, der Musikzug der Feuerwehr Blofeld und der TV Gettenau. Insgesamt waren es rund 60 Vereine aus der Wetterau, die sich am Samstag einbrachten und die Besucher informierten, verpflegten oder unterhielten.

Prominente Unterstützung gab’s auch von Schauspieler David Rott und Regisseur Peter Ohlendorf, der eine Kurzfassung seines Films »Blut muss fließen« zeigte, der in der rechten Szene entstanden war. Beiden war es wichtig, die Defizite der Gesellschaft aufzuzeigen und das demokratische Verständnis zu stärken. Am Abend heizten die Azzis mit Herz und die Coconut Butts den Besuchern im Festzelt ein.

Etwa acht Mitglieder der »Old Brothers«, der Gruppe um Patrick W., hatten versucht, auf das Gelände zu kommen, ebenso einige NPD-Mitglieder, waren aber abgewiesen worden. »Das haben wir ohne Probleme gelöst«, sagte Linss. Auch sonst musste die Polizei nicht eingreifen, es habe keine besonderen Vorkommnisse gegeben, sagte ein Sprecher.

© Wetterauer Zeitung 16.06.2013

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